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Ist eine Versorgung mit Strom aus „NUR“ erneuerbaren Energien überhaupt möglich?

Die spannende Frage bewegt seit ein paar Jahren ganz Europa. Nicht zuletzt wegen der Politik, die wie es manchen erscheinen mag, im Alleingang und ohne Rücksicht auf Verluste ihr Ding durchzuziehen scheint. Es wäre eigentlich an der Zeit, realistisch zu erörtern, ob es überhaupt möglich ist, Strom aus rein erneuerbaren Energien konsistent und auch jederzeit verfügbar zu machen, so wie wir es gewöhnt sind. Zumindest in der westlichen Welt.

Warum nur in der westlichen Welt? Ist es in anderen Ländern anders? Natürlich. In Schwellen- oder Entwicklungsländern, sofern dieser Begriff in Zeiten binärer Geschlechter überhaupt noch erlaubt ist, kann es durchaus sein, dass es mal über längere Zeiträume zu Stromausfällen kommt. Doch das stört die Menschen dort wenig. Weil sie ja damit leben und daran gewöhnt sind. Das Leben geht auch weiter ohne Strom. In unserer, zumindest nach unserem Verständnis „zivilisierten“ Welt sieht die Geschichte schon anders aus. Wird ein Stromausfall vom Netzbetreiber nicht schon 2 Wochen vorher angekündigt, zieren sofort Black-Out- und Apokalypseszenarien das Netz und die sozialen Netzwerke. Und durchaus kann es mal passieren, dass bei extremen Wetterumbrüchen Teile des elektrischen Versorgungsnetzes einstweilig nicht zur Verfügung stehen. Und dann steht mal für einige Zeit alles still. (Anmerkung der Redaktion: Sofern kein Speicher von WE MOVE NOW für hauseigene Autarkie sorgt.)

Kurzum: unser Leben, Arbeiten und Schaffen ist mittlerweile auf elektrischen Strom abgestimmt. Elektronische Arbeitsgeräte wie Laptops und Smartphone haben immerhin Akkus verbaut, die kurze Stromausfälle ganz unbeschadet überstehen. Anders sieht es schon bei Stand-PC’s aus, die dann einfach mal schwarz werden. Oder Induktionsherde, Gefrierschränke und Backrohre. Vom Licht ganz zu schweigen. Oder den elektrischen Verschattungshilfen Staubsaugern oder gar den Ladevorgang des Elektrorollers. Oder der Wärmepumpe. Doch für all diese Problemchen kann Abhilfe in Form eines Heimspeichers geschaffen werden, der durchaus auch längere Zeiträume bis zu mehreren Tagen überbrücken kann. Die PV-Anlage läuft ja jeden Tag weiter und liefert den notwendigen Strom für den Speicher. Bei Sonnenschein laufen die Solarzellen auf Hochtouren, aber auch bei bewölktem Himmel liefern sie zumindest den notwendigsten Strom für Beleuchtung, Kochen und Warmwasser.

Anhand dieses Beispiels ist ganz schön ersichtlich, dass so zumindest jeder Haushalt für sich schon mal autark werden könnte, weil er auf dem Dach die notwendige Energie leicht erzeugen kann. Außer das Dach sieht niemals Sonne. Klar sind Häuser in schattigen Plätzen oder jahreszeitlich bedingt nicht durch Sonnenstrahlen gesegnete Dachflächen ein wenig benachteiligt. Ein bisschen Strom erzeugen sie zumindest trotzdem.

Wenn jedes Haus also seinen Strom selbst produzieren könnte, aber eigentlich kann, bleibt noch die Energie für Industrie und Transportwesen oder in Tirol auch die Liftanlagen in den Tourismusregionen. Im Durchschnitt teilt sich der Energieverbrauch jeweils auf ein Drittel für Wohnen, Industrie/Tourismus und Verkehr.

Dass ein Skigebiet sich leicht durch erneuerbare Energien versorgen könnte, ist am Beispiel des Pitztaler Gletschers schön abgebildet, dessen 1 Megawatt-Peak-Anlage rund 1 Drittel des Strombedarfs liefert. Photovoltaik macht dort deshalb so viel Sinn, weil sich die Öffnungszeiten des Betriebs schön mit den Sonnenstunden decken. Was übrigens bei sehr vielen Unternehmen der Fall ist, wo die Arbeitszeiten untertags angesiedelt sind. Und sehr häufig besitzen diese Unternehmen auch weite Dachflächen, auf denen sich Photovoltaik-Anlagen sehr freuen würden, Energie zu erzeugen, die sofort und direkt verbraucht werden kann.

Bleibt noch der Verkehr, also Bahn – die ja ohnehin zu 90% bereits elektrisch fährt, aber auch Bus- und Individualverkehr. Dass E-Bike-Sharing-Systeme, E-Scooter-Sharings, E-Carsharings, Ride-Sharings und ähnliche Konzepte zu enormen Reduktionen des Gesamtverkehrsaufkommen beitragen, steht außer Frage. Wir sprechen von Energie-Erparnis-Faktoren von 1 : 16 und höher. Auch der Umstieg vom Diesel oder Benziner auf das Elektroauto hat schon sehr positive Auswirkungen, weil nur 1/4 der Energie gebraucht wird. Sitzen dann statt den 1,1 Personen schon 2 oder 3 im Fahrzeug, steigert sich die Effizienz auf 1 : 8 oder 1 : 12. Geht also schon in Richtung Sharing. Doch wie sieht das Worst-Case-Szenario aus? Wenn beispielsweise in Österreich alle 7 Millionen Fahrzeuge statt mit Diesel, Benzin oder Gas plötzlich elektrisch fahren? Dann würde der Stromverbrauch lediglich um 0,068 % steigen. Wer es nicht glaubt, kann es hier nochmals nachlesen. Weniger als 1 Promille mehr Strom. Ist vernachlässigbar oder? Nicht ganz, aber 1 Wasserkraftwerk mehr und die Sache ist geritzt. Unvorstellbar, aber wahr.

Auch wenn wir in Österreich noch nicht unsere gesamte Energie erneuerbar erzeugen, sind wir auf einem Weg, der in die richtige Richtung geht. Könnte natürlich schneller sein, aber das hatten wir uns vor 7 Jahren, als wir gestartet sind, auch schon gefragt. In der Tat gibt es Länder, die beachtliches dazu beitragen. Ganz vorne dabei ist Norwegen, denen lediglich 1 % auf die 100 fehlt. Norwegen erzeugt seine gesamte Energie zu 99 % durch erneuerbare Energieproduktion. Für Zweifler gibt es hier einen Link. Schweden und Kanada sind mit knapp 70 % erneuerbarem Anteil ganz vorn dabei. Auch Finnland weiß und zeigt, dass es bereits über die Hälfte der gesamten Energie erneuerbar erzeugt. Lustig ist, dass in den nordischen Ländern, die ja besonders im Winter von Sonnenschein alles andere als gesegnet sind, es schaffen, den Süden weit hinter sich zu lassen. Das von vielen verurteilte China, das natürlich weltweit neben Indien den vermutlich größten Energiebedarf hat, erzeugt aber auch schon satte 29 % ihrer Energie erneuerbar. Bei diesem Vormarsch wird China vermutlich schon 2030 komplett mit erneuerbaren versorgt sein, wo Europa noch bespricht, ob sie jetzt ab 2035 keine Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotor zulassen werden oder vielleicht doch noch in die Länge ziehen. Wir werden es sehen.

Fest steht allerdings – rund 1 Drittel der Weltenergie wird bereits erneuerbar erzeugt. Wir in Österreich könn(t)en unseren Energiehunger bereits jetzt zu 100 % stillen. Ohne Komforteinbußen. Norwegen zeigt es uns vor. Zuschauen, lernen, und machen ist jetzt die Devise. Denn neben dem Umweltschutz und der nachhaltigen Förderung unserer Erde gelingt es uns auch ganz nebenbei, uns Schritt für Schritt unabhängig zu machen. Big Oil war dann endgültig gestern.

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